Was ist ein Totmannschalter und welche Rolle spielt er im Arbeitsschutz?

Was ist ein Totmannschalter und welche Rolle spielt er im Arbeitsschutz?

Ob Lokführer in der Bahn, Arbeiter an Maschinen in der Produktion oder der Nachtdienst in Tankstellen – wer außerhalb der Sichtweite von anderen Menschen arbeitet, ist besonderen Risiken ausgesetzt. Ereignen sich Unfälle oder Überfälle, trifft Hilfe oft zu spät ein. Um Alleinarbeitende zu schützen, können Arbeitgeber Totmannschalter zur Verfügung stellen. Diese sind einfach zu bedienen und können in vielen verschiedenen Branchen und  Arbeitsbereichen verwendet werden.


1. Was ist ein Totmannschalter?

Der Totmannschalter ist unter vielen Namen bekannt: Totmannmelder, Totmannwarner, Bewegungslosmelder oder einfach Totmanneinrichtung. Es handelt sich dabei um eine Sicherheitseinrichtung, die überprüft, ob ein Mensch anwesend und handlungsfähig ist.

Der Totmannschalter sendet ein Signal, wenn festgestellt wird, dass ein Mensch nicht bei Bewusstsein ist. Bei der Erkennung von Bewegungslosigkeit oder waagerechter Körperlage, sowie beim Ausbleiben der Quittierung wird der Alarm ausgelöst.

Totmanneinrichtungen sind entweder an Arbeitsgeräten oder in Fahrzeugen verbaut, in eine Smartphone-App integriert oder mobil an der Arbeitskleidung einer Person befestigt. Mobile Totmannschalter können beim Verrichten der Arbeit ständig am Körper getragen werden. Über GPS- und Funksignale wird die Lokalisierung des Mitarbeitenden ermöglicht. So kann im Notfall Hilfe an den Standort geschickt werden.

2. Welche Arten von Totmannschaltungen gibt es?

Totmanneinrichtungen:
Totmanneinrichtungen, auch Totmannwarner genannt, senden Notfallsignale basierend auf der automatischen Feststellung von Bewegungslosigkeit. Die Zeit bis zur Aktivierung des Voralarms beträgt etwa 20 bis 30 Sekunden und entspricht demnach der Vorgabe der BGR-139. Die DGUV Regel 112-139 besagt, dass der Ruhe- und Lagealarm höchstens 90 Sekunden betragen darf. Springt der Voralarm an, so kann dieser durch darauffolgende Bewegung oder eine Quittierung erneut deaktiviert werden. Wird der Voralarm ignoriert, löst der Totmannwarner optische und akustische Signale aus. Bei einigen Totmannwarnern ist auch ein Temperaturalarm integriert, welcher auf Temperaturveränderungen in der Umgebung reagiert. Totmannwarner werden besonders von Alleinarbeitenden genutzt und können am Gürtel angebracht werden. Einige Totmannwarner geben hier auch bei Neigung einen Signalton ab. Bleibt diese waagerechte Körperausrichtung bestehen, so wird ein Alarm an den Notdienst oder andere zuvor eingestellte Telefonnummern weitergeleitet.

Totmannschalter:
Totmannschalter sind in handgeführten Geräten wie Kettensägen, oder auch Küchengeräten verbaut. Lässt der Bediener den Griff, bzw. Schalter los, schaltet sich das Gerät aus. Damit dieses anschließend entriegelt und erneut verwendet werden kann, ist eine spezifische Schalthandlung erforderlich.

Arbeit mit Kettensäge
Ein integrierter Totmannschalter deaktiviert das verwendete Gerät, bevor sich ein Unfall ereignen kann.

Schienenfahrzeuge, Rennboote und Flugzeuge:
In Eisenbahnfahrzeugen werden stationäre Systeme verwendet, um die Sicherheit von Alleinarbeiter:innen sicherzustellen. Es handelt sich hierbei um sogenannte Sicherheitsfahrschaltungen, bei denen Triebfahrzeugführer:innen regelmäßig ein Bedienelement betätigen müssen, um so zu signalisieren, dass sie noch wach sind. Bleibt der Knopfdruck aus, wird der Voralarm in Form einer optischen und akustischen Warnung aktiviert. Ignoriert der Beschäftigte den Voralarm, wird automatisch eine Zwangsbremsung eingeleitet.

Bahn auf Gleis
Der Eisenbahnverkehr birgt viele Risiken: Ermüdung und Ablenkung des Lokführers bzw. der Lokführerin oder gesundheitliche Notfälle. Totmannmelder schützen aktiv vor diesen Gefahren.

3. In welchen Einsatzgebieten werden Totmanneinrichtungen verwendet?

Die Nutzung von Totmannschaltern ist besonders bei Alleinarbeit und beim Ausführen von Tätigkeiten mit geringem sowie erhöhtem Gefahrenpotenzial sinnvoll, auch wenn die Mitarbeitenden nur zeitweise außerhalb der Ruf- und Sichtweise der Kollegenschaft arbeiten.

Angestellte in der Produktion hantieren mit unterschiedlichen Werkzeugen, Maschinen, Robotern und Transportmitteln. Durch Unachtsamkeit, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen oder falsche Bedienung kann der Umgang mit diesen Mitteln zu schweren Verletzungen führen. Darüber hinaus kann der Umgang mit speziellen Gasen, Dämpfen und Staub zur Bewusstlosigkeit oder Verletzungen durch explosionsartige Reaktionen führen. Durch die Ausstattung der Mitarbeiter:innen mit einer Notfall-Lösung kann trotz der Alleinarbeit, bedingt durch Schichtarbeit oder der Weitläufigkeit der Produktionshallen, ein Unfall schnell festgestellt und gemeldet werden. Wichtige Minuten bei der Leistung Erster Hilfe gehen dabei nicht verloren.

Die Logistik ist eine der Branchen, in der Mitarbeiter:innen einigen Gefahren ausgesetzt sind. Beim täglichen Be- und Entladen von Fahrzeugen, Containern oder hohen Regalen kann das Herunterfallen von schlecht gesicherter Ladung oder Stürze von Fahrzeugen zu schweren Verletzungen führen. Der Zeitdruck beim Transport zwischen verschiedenen Standorten führt häufig zu Unachtsamkeit und kann ebenfalls schwere Verkehrs- oder Sturzunfälle zur Folge haben. Durch den Bewegungs- und Zeit-Alarm einer Notfall-Lösung kann ein Unfall schnell festgestellt und zielgerichtet festgelegte Notfallkontakte alarmiert werden. Die Ortungsfunktion ermöglicht ein schnelles Auffinden der verletzten Person.

Pflegekräfte und persönliche Assistenten bzw. Assistentinnen leisten ihre geschätzte Arbeit in vielen Fällen allein. Auf dem Weg zu den Patienten und Patientinnen tragen Sie - besonders durch den häufig damit verbundenen Zeitdruck - das Risiko, zu stolpern oder zu stürzen. Neben der körperlichen Anstrengung durch die Pflege stellt die psychische Belastung durch die Angst vor An- oder Übergriffen durch aggressive und gewaltbereite Patienten bzw. Patientinnen eine psychische Belastung dar. Ausgestattet mit einer Notfall-Lösung können die Kräfte nicht nur schnell einen Alarm auslösen, sondern fühlen sich auch sicherer. Zusätzlich kann durch den Ruhe-Alarm  gezielt ein Sturz oder Bewegungslosigkeit festgestellt werden.

Angestellte in der Gebäudeinstandhaltung arbeiten häufig außerhalb der gängigen Arbeitszeiten über mehrere Stunden hinweg allein. Rutschige Böden, Stolperfallen oder Fehltritte auf Treppen können dabei zur lebensbedrohlichen Gefahr werden, denn ein Notfall, der zur Bewusstlosigkeit führt, bleibt über einen längeren Zeitraum unbemerkt. Mit dem Zeit-Alarm können Unregelmäßigkeiten festgestellt und die Kollegenschaft oder der Sicherheitsdienst alarmiert werden. Zusätzlich kann der Bewegungs-Alarm automatisch einen Sturz und Bewegungslosigkeit erkennen und einen Alarm auslösen.

Auf Baustellen lauern viele Risiken, die teilweise zu schweren und sogar tödlichen Verletzungen führen können. Stolpern und Ausrutschen (z. B. aufgrund von Bodenunebenheiten, Baumaterialien, Bodenöffnungen und unaufgeräumten Verkehrswegen), sowie die Bedienung von Maschinen und die Installation von Elektronik stellen gängige Gefahren dar. Durch die lauten Maschinengeräusche, weitläufige Flächen und den Gehörschutz wird die Kommunikation zwischen den Mitarbeitenden behindert und der Hilferuf im Notfall erschwert. Mit dem Ruhe-Alarm und den verschiedenen manuellen Alarmierungsmöglichkeiten bleibt ein Unfall trotz Baustellenlärm nicht unbemerkt. Durch die Ortungsmöglichkeit kann der oder die verletzte Mitarbeiter:in durch die Kollegenschaft schnell aufgefunden werden.

4. Warum ist es sinnvoll einen Totmannschalter zu nutzen?

Totmanneinrichtungen sind wichtig, um Unfälle und Schäden zu vermeiden und die Sicherheit der Mitarbeiter:innen am Arbeitsplatz zu gewährleisten. Sie tragen dazu bei, gesetzliche Vorschriften und Normen einzuhalten und das Risiko für das Unternehmen zu minimieren. Sie unterbrechen den Betriebsablauf und helfen, Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Dies kann die finanziellen Folgen von Unfällen und Schäden für das Unternehmen verringern.

Zwar sind Totmannschalter nicht gesetzlich, jedoch mindestens versicherungsrechtlich bei einem bestimmten Gefährdungspotential verpflichtend. Regelungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) und der Berufsgenossenschaft empfehlen die Nutzung von Notrufsystemen, wenn Mitarbeiter:innen allein arbeiten. Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sind Personen-Notsignal-Geräte wie der Totmannschalter besonders bei geringer und erhöhter Gefahrenstufe eine sinnvolle Lösung. Bei einem kritischen Gefahrenpotenzial sollte erstmal geprüft werden, ob Alleinarbeit überhaupt erlaubt ist.

Mehr Informationen zu Personen-Notsignal-Anlagen finden Sie hier: Wann sollte bei Alleinarbeit eine Personen-Notsignal-Anlage eingesetzt werden?


Als Arbeitgeber tragen Sie die Verantwortung für die Schaffung eines sicheren Arbeitsumfeldes. Je nach Branche können Sie mobile oder verbaute Totmanneinrichtungen einführen und so Ihre Alleinarbeiter:innen vor Gefahren schützen und Ihr Unternehmen vor rechtlichen Konsequenzen absichern.


5. Fazit

Totmannschalter können in den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt werden und aktiv Unfälle vermeiden, sowie dafür sorgen, dass umgehend Hilfe am Unfallort eintrifft. Sie überprüfen, ob ein Mensch wachsam und handlungsfähig ist und lösen andernfalls ein Alarmsignal aus. Dies verwandelt den Totmannmelder in ein rundum effektives Notfallsystem für verschiedene Arbeitssituationen. Besonders in Berufen, wo Menschen allein arbeiten, ist der Einsatz eines Totmannschalters sinnvoll. Durch den Einbau des Totmannmelders in gefährliche Anlagen und Geräte werden präventiv Unfälle verhindert und der Arbeitsschutz in Unternehmen optimiert.

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